Freitag, 30. Juni 2017

Zombieland vs. Tacka Tucka Land



Freitag. Für meine Verhältnisse ist es nicht früh. Fast 9:00 Uhr. Normalerweise denke ich um die Uhrzeit schon ans Mittagessen. Jetzt liege ich mit Ohrstöpseln und dicken Kopfhörern im MRT. Es hört sich an wie ein Presslufthammer mit Schalldämpfer. Ich laufe ja nicht ganz rund. Monotoner Lärm beruhigt mich und ich döse weg.

Mir geht die vergangene Woche durch den Kopf und mein Ausflug vom emotionalen Tacka Tucka Land zurück ins mentale Zombieland. Zombieland, das Land in dem man immer irgendwie auf der Hut sein muss. Das Land in dem es wenige ruhige Minuten gibt und fast alles fight or flight bedeutet. Man ständig seinen emotionalen Besitz und seine Grenzen, sein Herz und seine Seele gegen Plünderung und Missbrauch schützen muss. Und wie der Name schon sagt, das Land in dem man Gefahr läuft, dass irgendwo eine Zombiehand nach einem greift, einen runter zieht um einen jedes Leben, jede Energie und all das Strahlen wie Fleisch von einem Knochen zu nagen. Emotionale Vampire und Blutsauger die geschickt, kaum merklich irgendwo lauern und einen aussaugen. Mit kleinen Verletzungen, kleinen Demütigungen und Manipulationen immer wieder am Ego kratzen und Zweifel in der Selbstwahrnehmung sähen. So lange bis man gerade so noch funktioniert, überlebt aber nicht lebt.


Ich will das nicht mehr. Ich kann das nicht mehr. Zu lange stand ich im Zombieland und dachte, dass das nun mal die Realität sei. Ich das Beste draus machen könne, aber das Große und Ganze sei nun mal eine Zombieapokalypse.

In Staffel 6 TWD philosophiert einer der Protagonisten über Onlinegaming. In den meisten Spielen geht es darum, in einer feindlichen Umgebung sich durchzusetzen und zu überleben. In den höheren Levels beginnt der Spieler aber aktiv damit seine Umgebung selbst zu gestalten, umzugestalten. Schafft man das nicht, wird man nie in die Riege der High Score Spieler aufsteigen. Das trennt die Spreu vom Weizen. Uhhhh, mal sehen wann ich in GOT wichtige Lebensweisheiten entdecke. Ich bin ehrgeizig, ich will zu den Top Ten der Gamer des Lebens gehören und nicht nur in den unteren Level die Zeit tot schlagen.

Die letzten Wochen, Monate liefen gut. Sehr gut. Job läuft. Ich schaffe es sogar ein fast herzliches Verhältnis zu meinem Kollegen aufzubauen. Dem Kollegen, der mich letztes Jahr noch fast an den Rand eines Nervenzusammenbruches gebracht hat. Passiv-aggressiv und mental nie den Osten verlassen. Der Kollege, der mit dem Firmenwagen 20km fährt, um 3€ beim privatem Getränkeeinkauf zu sparen und die Schultern zuckt, weil das Geld für den Sprit darf man ja nicht rechnen, das bezahlt ja der Brötchengeber. Und der hat genug Geld. Aha.

Also, zurück zum emotionalen Zombieland durch dessen erste Level ich mich gekämpft habe und vor ein paar Monaten Dank ein paar großartigen Mitspielern endlich in die Level aufgestiegen bin in denen ich Anfangen kann Zombieland zu verändern. Ich habe aus Zombieland immer mehr Tacka Tucka Land gemacht. Self improvement bis zur Schmerzgrenze sozusagen. Und was soll ich sagen. Mir gefällt Tacka Tucka Land. In Tacka Tucka Land bin ich nämlich egoistisch. Ich tue was mit gut tut oder ich mache Dinge so, dass sie mir gut tun. In (fast) all meinem Handeln steckt dieser Grundgedanke und selbst bei Dingen, die Alltag und Pflicht bedeuten, wähle ich den Weg so, dass es mit immer etwas bringt. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich mich das letzte Mal so zufrieden gefühlt habe und so im Kontakt zu mir war. Dazu hat bestimmt auch „Herr Rosenbaum“ beigetragen. Einfach so, ohne dass er es wusste oder plante. Einfach weil er ist wie er ist und ich aus dem Blickwinkel von meiner Insel aus diese Dinge zulassen und erkennen kann. Aber das ist eine andere Geschichte.

Das MRT brummt noch. 30 Minuten können lang sein. Die letzten Tage habe ich ja wieder gemerkt, dass Zombieland noch nicht Geschichte ist. Ein paar Kleinigkeiten katapultierten mich fast wieder auf die niedrigen Level. Ich habe gemerkt wie anstrengend es noch ist, zu verhindern, dass emotionale Zombies nach mir greifen, mich runter ziehen, mich nervös und unsicher machen. Wie dünn die Grenze noch zwischen den beiden Ländern ist. Und, dass Zombieland mir nicht gut tut. 

Theoretisch könnte ich nach dem MRT ins Büro gehen, praktisch mache ich es nicht. Müsste nach Hause hetzen, Pest und Cholera holen, durch den Regen rennen, durch den Berufsverkehr ins Büro. Ich bin müde. Ich war zu spät im Bett. Zu Hause versorge ich die Aliens und lege mich auf`s Sofa. Ich schlafe 2h und verarbeite den gestrigen Abend. Ein Abend nach dem Tag im Zombieland. Ich war mit Herrn Rosenbaum unterwegs. Und wieder hat er mich begeistert. Er hat eine unglaubliche Art im Hier und Jetzt zu sein. Bisher kannte ich das nur wenn ich meinen Sport betrieben habe, der Kerl zeigt mir ganz unabsichtlich noch andere Wege. Wenn wir zusammen sind, ist er völlig, ganz und gar bei mir und wenn wir uns nicht sehen, ist er wieder in seiner Welt und ich in meiner. Das ist völlig in Ordnung so. Ich mag das. Denn ich schalte den Kopf aus, fühle mich einfach, lasse mich treiben und genieße ohne irgendwas in Frage zu stellen oder sogar zu hinterfragen.

Ich wache auf und bin versucht auf dem Sofa liegen zu bleiben. Aber ich weiß, dass mir das nicht gut tut. Büro schwänzen und dann mental und körperlich zu versacken macht mir ein schlechtes Gefühl. Ich mache eine lange Runde mit Pest und Cholera. Ich werde klatschnass. Es ist mir egal. Ich lege mich trocken und weigere mich „Lillyfee“ eine verbindliche Zusage für Samstag zu machen. Ich sage ihm ruhig und sachlich, dass meine Woche so von Terminen bestimmt war, dass ich mich für Samstag nicht festlegen will. Es ist mein einziger freier Tag, Sonntag wieder Nebenjob von 10 – 18 Uhr. Ich mache meine Gymnastik und rolle mir die Faszien aus. Ich trinke Ingwertee. Das Knie tut weh und ich weiß, wenn ich das brav mache, hört es ohne Schmerzmittel wieder auf weh zu tun. Ich tue was mir gut tut und ich weiß genau was das ist. Welcome back in Tacka Tucka Land.


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