Montag, 20. November 2017

Strange Things



Ich sitze in einer SM Lokalität. Ich hasse solche Läden. Ich bin vor über 10 Jahren aus dieser Szene ausgestiegen und weiß auch sofort wieder warum. An der Theke sitzen mittel hübsche, mittel dicke Menschen im mittleren Alter im ausgewaschenen lebensbejahenden Schwarz. Die anwesenden Frauen auch so mittel, in 19,95 € „sexy“ Kleid, welches exakt ihre Problemzonen betont. Hat sich also nix verändert hier. Gar nix. Erschreckenderweise kenne ich auch ein paar Leute an der Theke, die mir sofort wieder die gleichen, mittelmäßig spannenden Geschichten wie früher erzählen. Meine Lust auf Erotik erreicht sein Jahrhunderttief. Und ich hatte schon viele solche Tiefs in diesem Jahrhundert. Zum Glück hatte ich meine Begleitung vorgewarnt und er trägt es mit Fassung während ich mir im rosa Top ein Becks rein ziehe. 

Ich sitze auf der Eckbank, kuschle mich ungewöhnlich handzahm und „touchy“ an meine Begleitung. Neben mir eine Frau in meinem Alter, mittel hübsch, mittelschlank und sogar mittelblond. Das obligatorische Kunstlederhalsband mit Ring um den Hals. Plötzlich stürmt ein Typ auf sie zu und es entwickelt sich folgender Dialog:

Typ: Hey, ich kenn Dich doch
Frau guckt so mittel überrascht.
Typ: Vom Klinik Aufenthalt 2010.
Frau: Bitte?
Typ: Na, wir waren doch in der gleichen Therapiegruppe.
Frau: Ja stimmt, wie hast Du mich erkannt.
Typ: Na wir haben uns mal total toll unterhalten. So, über die innere Leere und so.
Frau: Ja, stimmt. Und geht`s Dir besser?
Typ: Ne, nicht wirklich.
Frau: Mir auch nicht.

Ich: Sagt mal, ihr seid doch gecasted, oder?

Fuck, natürlich hat Frau von und zu Sachsen mal wieder ihre Real-Kommentar-Funktion nicht unter Kontrolle. Wo ist der mentale Admin und Moderator wenn man ihn braucht?

Wieder zu Hause kuschel ich mich in meine rosa Plüschsocken und meine Kuscheldecke und schaue einen Splatter Film. Hormonell völlig unausgeglichen, obwohl ich weiß, dass meine Begleitung des Abends alles andere als untalentiert ist. Was für eine Verschwendung.

Neu auf meiner Not-To-Do-Liste: Sonntag Abende in einer Umgebung die mich eher dazu bringen würde an einer total Qualle zu lecken als mich nackig zu machen.

Dienstag, 17. Oktober 2017

Datingpannen: der Nudelsalat


Schon ein paar Wochen her. Es war noch warm und wir trafen uns sonntags in einem Biergarten. Sonntags weil er am Wochenende einem Kumpel bei einer Party geholfen hat. War wohl was größeres, er machte da den Barkeeper. 

Er pünktlich und unheimlich gut aussehend. Beides mag ich. Wir suchten uns einen Tisch und ich überlegte, ob ich wohl was esse. Der Typ hatte unglaublich tolle Oberarme, so dass ich mir vorstellen konnte mit ihm etwas Zeit zu verbringen. Tisch gefunden und dann….nun ja….mein Hintern hatte den Stuhl noch nicht berührt und der Kerl fing an über seinen Kumpel ab zu lästern. Nun ja, nicht direkt über den Kumpel, sondern über den auf der Party servierten Nudelsalat. Der war nämlich gekauft. Skandal! Und dann nur umgefüllt. Frechheit. Und überhaupt hat der Kumpel dann auch noch Gurken rein geschnitten und nicht unter gemischt. Da mussten die Gäste erst mit der Gabel die Gurken weg schieben um an den Nudelsalat zu kommen. Frechheit. 

Ich für meinen Teil verstehe ja gar nicht warum man noch Nudelsalat selbst macht, aber was weiß ich schon. Ich bin ja ein unkultivierter Küchen Hooligan. Die ersten 7 Minuten sind um, ich habe ein Wasser bestellt. Still. Das Thema ist immer noch Nudelsalat und ich schaue mich um, ob irgendwo eine versteckte Kamera hängt. Die Sonne scheint und ich habe gute Laune. Also versuche ich diplomatisch das Thema umzulenken. So von wegen ist ja seine Party und so. Klappt bedingt. Also direkt eine Frage zu einem anderen Thema. Ob er schon mal verheiratet war. Krasserer Wechsel fällt mir nicht ein. Der Keller fragt ob wir noch was wollen. Ich antworte „nein“. Jeder Mensch, der wenigstens 2% auf „empfangen“ und nicht nur auf „senden“ gepolt ist, würde die Nachricht verstehen. Er nicht. Aber er nimmt wenigstens den Themenwechsel an und so erfahre ich, dass seine Ex Schuld daran ist, dass sein erwachsener Sohn inzwischen Drogenabhängig ist. Und überhaupt ist sie eine blöde Schlampe. Wuahhhhhhhh.

Ich schau dem Typen tief in die Augen, setze mein super süßes, total nettes Lächeln auf und meine „Du, Du bist echt nett, aber irgendwie entwickelt sich bei mir nichts.“ Ich musste ihm damit ins Wort fallen, er hatte gerade wieder zu einer Lästerattacke ohne Punkt und Komma ausgeholt. Er ist sofort ruhig, sackt in sich zusammen und antwortet wie Schade das wäre. Er fände mich total sexy und würde es genießen, dass man sich mit mir so gut unterhalten kann. What??????

Ich dackel zum Auto. Es ist noch früh, die Sonne scheint. Ich überlege mir was ich mit dem Abend anfangen soll. Ende vom Lied, ich lande auf einer extrem lustigen textilfreien Party mit „das T.“ Und dass ich da einen super gebauten, kommunikationsfähigen Single Typen kennen gelernt habe, ist eine ganz andere Geschichte.

Freitag, 13. Oktober 2017

Fight or flight



Fühlt sich ein Tier bedroht, kennt es 2 Handlungsalternativen. Fight or flight. Lediglich degenerierte Hunderassen kennen eine Dritte, fiddle around. Diese völlig verzüchteten Hunde und einige Menschen reagieren auf Bedrohliches mit niedlich sein, rum albern, kaspern und so weiter, um zu zeigen, dass sie keine Bedrohung darstellen. Dabei übertreiben sie es oft und bekommen erst recht eins auf`s Maul. Hunde wie Menschen. 

Weder Pest, noch Cholera noch mir ist diese 3. Art auf Gefahr zu reagieren in die Wiege gelegt worden. Pest findet Starkregen bedrohlich und verkriecht sich beim Spaziergang unter einen Bauwagen (flight) ohne zu bedenken, dass die Situation, dass ich ihn suchen muss wesentlich bedrohlicher ist. Cholera findet meinen Nachbarn ebenso wie ich voll Klaus Kinsky mäßig und würde ihn am liebsten jedes Mal umnieten wenn sie ihn sieht (fight). Die Leine verhindert dies zum Glück. Wer weiß wann ich mal Milch oder Mehl brauche. Bei den beiden ist die bevorzugte Reaktionsweise zum größten Teil genetisch programmiert. Cholera, angeblich ein belgischer Schäferhund (in Wirklichkeit Springbock-Todesstern-Hybrid), kompensiert Unsicherheit nach vorne. Macht für den Zweck für den diese Sozialidioten gezüchtet sind Sinn. Pest, angeblich ein Terrier, in Wirklichkeit nur eine Terrier-Attrappe und Affe-Katze-Fledermaus-Alien-Hybrid, wird seit Generationen auf „niedlich“ gezüchtet und versteckt sich halt lieber. 

Jetzt bin ich halt kein hundeähnliches Lebewesen und mein Gehirn ist (situativ) größer als die beiden Erbsenhirne von Pest und Cholera. D.h. ich sollte theoretisch die Wahl haben wie ich reagiere.
Die Wahrheit ist, dass es Menschen gibt, die ein unglaubliches Talent haben mich zu „fight“ zu treiben. Schaffen sie es mit einer Methode nicht, wechseln sie treffsicher zum nächsten Punkt und zack, ich explodiere und würde ihnen am liebsten ordentlich auf`s Maul hauen. Mach ich aber nicht. Ist nämlich verboten, ich bin jetzt nicht die super Starke und außerdem habe ich eh einen Kapselanriss am rechten Handgelenk. Der würde davon nicht besser werden.

Also arbeite ich an mir. An Abgrenzungsmethoden, innerer Ruhe und scheiss-egal-Einstellung. Denn es gibt Idioten, denen kann man nicht aus dem Weg gehen. Geht einfach nicht, außer man sagt gegen die Mafia aus, kommt ins Zeugenschutzprogramm, wechselt die Identität und zieht weg. Ganz schön viel Aufwand wegen Idioten.

Abgrenzen heißt Impulskontrolle. Das ist anstrengend. Und die Gestörten können keine Ruhe geben. Ihr Mini-Ego braucht die Aufmerksamkeit wie die Luft zum atmen. Ich schließe die Augen, stelle mir vor ich würde in meinen gemütlichen Wohnzimmer sitzen, draußen tobt das Gewitter der ewig Unzufriedenen, der Schwarzmaler und Nörgler. Ich stehe auf und schließe einfach das Fenster. Ruhe im Karton. Basta.

Von wegen, die Gestörten haben genau mich auf dem Zettel. Sie ertragen meine Ignoranz nicht. Wie kleine Wadenbeißer verstärken sie ihr Verhalten bis ich das Getöse durch das geschlossene Fenster höre und explodiere. Der Behälter der Impulskontrolle ist voll und das Überdruckventil springt mit einem lauten Knall auf. F*** Ich hasse es. Ich werde von Deppen manipuliert und dadurch haben sie einen Raum in meinem Leben der Ihnen nicht zusteht. Methodenänderung?

Ich bin seit Dienstag mit gelbem Schein zu Hause. Kaputtes Knie, Bänderanriss im Knöchel und nun noch ein geschreddertes Handgelenk bringen sogar mich dazu mal eine Pause einzulegen. Läuft gut, ich komme wahnsinnig schnell zur Ruhe und entspanne. Ich mache mit den verbleibenden Gelenken Gymnastik und befinde, dass Abgrenzung als totalitäre Methode nicht funktioniert. Fight or flight ist bei mir nicht auf immer und ewig genetisch programmiert und ich habe die Möglichkeit situativ zu reagieren. Wegen dem Gehirn über Erbsengröße. Mit über 40 hat man aber gelernt nicht mehr in jede Schlacht zu reiten. Dafür hat man auch gar keine Energie mehr. Also „choose your battles“.

Ich schreibe eine Liste. Eine Spalte „flight“. Dinge die mir nicht wichtig sind, ich chancenlos bin und Kampf daher verschwendete Energie wäre. Die „fight“ Liste ist spannend. Ich selektiere Dinge die mir wichtig sind und die ich sinnvoll beeinflussen kann. Am Ende gibt es noch eine ?-Liste. Da muss, kann ich abwarten. Weiß noch nicht ob es Sinn macht dort Energie rein zusetzen. Einige der „Fight-Punkte“ rutschen im Laufe des Abends zur ?-Liste. Am Ende sind alle drei Listen unbeabsichtigt gleich lang.

Das wird spannend. Auch für die Menschen die von der Fight-Liste betroffen sind.





Mittwoch, 11. Oktober 2017

Es schreit selten der Täter



Der Herr MIM ärgert sich über seine, mit Verlaub, strunz dumme Kollegin. Leider kann ich das im Moment viel zu gut nachvollziehen. 

Es gibt Menschen, die haben es unglaublich gut raus es solange zu treiben bis man explodiert. Und wenn man es tut, dann schauen sie wie Bambi dessen Mutti gerade erschossen wurden und fühlen sich unglaublich ungerecht behandelt. Mit Pipi in den Augen schauen sie in die Runde und derjenige, der explodiert ist, ist der Dumme, der Aggressor. Jedenfalls in den Augen der Anderen.
Und auf den ersten Blick ist es ja genauso. Jemand, der ansonsten eher gefasst ist, flippt wegen einer Kleinigkeit aus und attackiert jemanden der sensibel ist mit anscheinend ungerechtfertigter Härte. Und weil wir, jedenfalls der größte Teil von uns ein Gewissen und eine gute Erziehung haben, haben wir Mitleid mit demjenigen, der da gerade angegriffen wurde. Oder, falls wir selbst der Aggressor sind, haben wir ein schlechtes Gewissen, weil wir uns jenseits unseren eigenen Anspruches an uns selbst bewegt haben.

Orthopäden sagen: es schreit selten der Täter. Sprich, wenn das Knie schmerzt, schau auf die andere Seite was da kaputt ist, dass das Knie so überlastet ist. 

In unserer unglaublich mit Mitgefühl und grenzenlos empathischen gesellschaftlichen Welt in der jede Form von Aggression völlig verpönt ist, haben die meisten Menschen aber das Gefühl für ein differenzierteres Täter-Opfer-Bild verlernt. Mitleid für das angeblich schwächere Individuum ist so hipp, dass wir den hinterrücks agierenden passiv-aggressiven, narzisstischen und sonstigen Gestörten die Tore zum Erfolg weit offen halten. Denn warum sollten sie ein Verhalten einstellen, welches für sie offensichtlich erfolgreich ist? 

Baue nur Scheiße, werde erwischt und weine. Beteure, dass Du das Alles nur gut gemeint hast, nicht dafür kannst und überhaupt und Du musst keine Verantwortung für Dein Handeln übernehmen. Du brauchst Dich nicht ändern, denn Deinem Handeln folgen keine ernsthaften Konsequenzen. Perfektioniere diese Strategie und jemand, der Dich auf Dein Fehlverhalten hinweist muss die Konsequenzen tragen. Warum? Weil Du machst was Du willst, bis er explodiert und dann siehe oben.
Alle behaupten von sich, dass sie „nein“ sagen könnten, aber wir tun es bei den Gestörten viel zu wenig. Wir wollen unsere Ruhe und vermeiden, dass wir durch ein klares „nein“ eine Welle verursachen, die wir eigentlich vermeiden wollen. Also gibt man nach oder schluckt unmögliches Verhalten von Nachbarn, Kollegen usw. runter. Bis, ja bis der Eimer der Impulskontrolle voll ist und der berühmte Tropfen kommt. 

Wenn man frühzeitig Grenzen setzt, ist man zickig, hat Haare auf den Zähnen, untervögelt oder schlimmeres. So will man ja auch nicht wirken. 

Trotzdem kann ich nur an jeden appellieren Opfer-Täter-Bilder genauer zu beleuchten und daran zu denken, es schreit selten der Täter.

Sonntag, 17. September 2017

work-eat-sleep-repeat



Die letzten Wochen waren mörderisch. Ich habe genau das Leben geführt, das ich nicht leben möchte. Morgens zu spät aus dem Bett, sich beeilen müssen, ab ins Büro, dort so viel Arbeit, dass ich Abends völlig fertig bin und mich nicht erinnern kann wo ich geparkt habe. 

Als das anfing produzierte mein Körper brav Adrenalin und Noradrenalin in der Menge eines Rindes auf einem Tiertransport quer durch Europa. Entsprechend war ich bei der geringsten Kleinigkeit auf „fight“ eingestellt. An Einschlafen war kaum zu denken. Nach einiger Zeit war ich nur noch müde und beim kleinsten Anflug von Konflikt völlig gleichgültig, Resignation. Zu nichts mehr Kraft, Trainings und Verabredungen abgesagt. Kein Sex, noch nicht mal mit mir selbst. Nur noch eine Hülle, die funktioniert. Nicht gut, gar nicht gut. Ich rauche zu viel und mache keinen Sport. Ich bin beweglich wie eine deutsche Eiche und dynamisch wie eine tote Qualle. Das Hirn weiß, dass man sich aufraffen müsste etwas zu tun, was gut tut, der Körper verweigert seinen Dienst. 

Panik, ich liege wach und denke an das letzte Jahr. Das Jahr im emotionalen Zombieland. Das Jahr in dem ich so runter war, dass ich mich habe runter ziehen lassen, mich selbst erniedrigt und in die Position eines Bittstellers gebracht habe. Ich erwische mich, wie ich in Verhaltensschemata verfalle, die mir nicht gut tun, ich schaue mehrfach auf dem Profil vom „Schmock aka die Polizei aka SEK“ nach, ob es Neuigkeiten gibt. Gibt es und ich denke ernsthaft drüber nach und thematisiere das sogar mit L. Die Erkenntnis fühlt sich an, als ob mir einer von hinten einen Baseball Schläger über den Schädel zieht. Ich liege wie ein toter Maikäfer auf dem Sofa und ziehe Bilanz. Durch den Stress sage ich Trainings ab, treffe mich nicht mit M. für ein gepflegtes Besäufnis, esse ungesund, bin zu faul für Sport, blogge nicht mehr, auch nicht im geheimen Geheimblog und möchte meine Mitmenschen vor den Bus schubsen. Wahhhhhh…das ist gruselig.

Im Geheimblog steht, dass ich neulich trotz Müdigkeit mit J. Essen war. Mit der klaren Ansage, dass ich keinen Bock auf Sex habe, wir aber gerne eine Unterhaltung haben könnten. Hatten wir und es war ein schöner Abend, es tat mir gut. Ich danach ins Bett, er feiern. Ich mache ihm 2 Wochen später exakt die gleiche Ansage und wir gehen essen. Wir könnten mehrere Nächte durch reden und uns würden nicht die Themen ausgehen. Danach ich wieder in die Heia und er feiern. Gestern Morgen habe ich ihm einen Kaffee gekocht bevor ich in Heim in sein Dorf in Niedersachsen geschickt habe. Jup, richtig gehört, er war morgens da und meine kleine sozial- und bindungsphobische Welt ist nicht untergegangen. Danach gehe ich ins Training, ich bin todmüde aber entspannt. Ich weiß es liegt eine Woche Urlaub vor mir. Ich weiß nicht wie J. das macht, aber immer wenn ich mich mit ihm getroffen habe, kann ich wieder einfach den Augenblick genießen, nicht alles zerdenken. Es ist mit ihm wie es ist, einfach eine gute Zeit ohne „aber wenn und dann und überhaupt.“

J. wird nie einen Arbeitstitel hier bekommen. Das würde ihm nicht gerecht werden. Immerhin reden wir von einem Mann, der mich mit einem simplen Gespräch vom Zombieland wieder ins Reich der Lebenden, der Lebendigen, der Lebensbejahenden und emotional Entspannten bringt. Und das, obwohl die Rahmenbedingungen für Außenstehende genug Grund zum zerdenken, zerreden und zerpflücken geben würden. Er ist verheiratet und wohnt nicht in der Stadt, eine Zweitwohnung in der Stadt. Ein- zwei Mal im Monat hier. Wir treffen uns wenn ich dann Zeit habe oder auch nicht. Er kennt den ein oder anderen Liebhaber von mir und ich die ein oder andere Geliebte von ihm. Wir reden entspannt darüber. Ich mag ihn unglaublich gerne und bin mir sicher er mich auch. Wir wissen, dass das nicht ewig andauern wird. Solche Arrangements haben einfach eine geringe Halbwertszeit. Irgendwann kommen andere Gefühle ins Spiel, die alles komplizieren, die unsicher machen. Oder er hat sich genug ausgelebt und will wieder zu 100% in seiner kleinen Dorfwelt leben, mit Schützenfest und Gemeindebeirat. Oder ich verliebe mich in einen anderen oder ein anderer in mich. Ich habe neulich einen ziemlich netten Singlemann auf einer Party kennen gelernt und er gab mir seine Telefonnummer. Aber das ist mal wieder eine andere Geschichte. 

Wenn ich mit J. zusammen bin, merke ich wieder, dass ich emotional werden kann und will. Das mein Herz voll Wärme ist und ich das Positive sehen kann. Ich bin mir sicher, dass es ganz im Geheimen daran liegt, dass mein kleines, verschlossenes und bindungspanisches Unterbewusstsein weiß, dass dieser Mann mir ja nicht wirklich gefährlich werden kann. Nicht weil die emotionale Ebene nicht stimmt, sondern weil die Ratio das Sicherheitsseil, die letzte kleine Selbstschutzmauer aufrecht erhalten kann. Die Ratio lächelt uns sagt: er ist verheiratet, er liebt sein Leben im Dorf, egal was ihr habt, Du musst nicht darüber nachdenken, es ist endlich und Du kannst jeden Gedanken, ob und wie Dein Leben sich verändern könnte, nicht haben. Liebe Emo, Du musst keine Angst haben, denn ich, die Ratio beschütze Dich und halte Dich fest.
 
Am Freitag saß J. neben mir im Club. Wir können die Hände nicht voneinander lassen, knutschen wir Teenager, wenn er mich ansieht, hat er Lollis in den Augen, eine sehr spezielle Art von Verliebtheit, rational abgesichert und ich weiß, ganz tief im Inneren, dass ich mich wieder verlieben kann und will, dass es passieren wird und es nicht selbstzerstörerisch und erniedrigend sein wird. Ein unglaublich schönes Gefühl.



Dienstag, 5. September 2017

Theorie und Praxis

Irgendeine Hündin in der Nachbarschaft ist läufig. Das weiß ich, weil Pest minutenlang an einem Grashalm schnuppert und dann Sabberfäden aus seiner Gosche kommen.

Theoretisch ist er kastriert. Praktisch hat er das vergessen. Er ist sogar ein sogenanntem Frühkastrat, wurde also vor der -theoretischen- Geschlechtsreife kastriert. Diese, da sind sich die Experten einig, zeigt sich bei Rüden durch das Heben des Beines beim Pullern.

Pest pinkelt bis heute wie ein Mädchen. Jedenfalls wenn er sich unbeobachtet fühlt. Dabei pinkelt er sich regelmäßig Vorderläufe und kann dann vor lauter Ekel nicht mehr laufen. Keinen Meter. Ich habe mir bereits vor Jahren angewöhnt immer Feuchttücher dabei zu haben. Spazierengehen ist schöner als Spazierenstehen.

Aber ich schweife ab. Im zarten Alter von 16 Wochen hat Pest entdeckt, dass es Männlein und Weiblein gibt und beschlossen ausschliesslich das Letztere gut zu finden. Seine Begeisterung drückte er durch umgehendes, völlig wahlloses Bespringen aus. Gross, klein, dick oder dünn? Egal. Hauptsache weiblich. Für dieses Hobby war er bereit viele Kilometer zu laufen. Gerne auch von mir weg. Durch diese Aktionen hat er ein dickes Halsband mit meiner Telefonnummer in Leuchtlettern gewonnen. Meine Nebenhoffnung so einen patenten Hundeliebhaber kennen zu lernen ist eine völlig andere Geschichte.

Trotzdem war es nervig Spaziergänge nicht mehr planen zu können weil ich ja nie wusste wo ich ihn wann von welcher Hündin abpflücken durfte und er wachte eines Tages ohne Klöten beim Tierarzt auf.

Alle einschlägigen Experten sind sich einig, dass ich ihm so jede Chance genommen habe sich zu entwickeln und er von anderen Hunden nicht mehr ernst genommen wird. Die Praxis zeigt, dass der 10kg Frühkastrat grosse Schäferhunde rumkommandiert.

Zudem meine Hoffnung er würde mal an eine richtig, hundliche Kampflesbe geraten und Prügel kassieren sich auch nie erfüllt hat. Pest hatte sie alle und jede ließ ihn ran. Selbst die zickigsten Weiber hielten brav still. Wahrscheinlich waren auch ein paar hündliche Lesben dabei. Allerdings ist es mir ein  Rätsel wie er das gemacht hat.

Ich meine stellt euch mal vor Pest wäre ein Kerl. Dann wäre er gerade so 150cm gross und wäre spargeldürr. Er hätte kein eigenes Einkommen  und würde sich in einer WG von zwei Weibern durchfüttern lassen. Dazu untreu und ein Prolet. Und dieser Kerl bekommt jede Frau rum? Auch ohne Klöten!

Jedes mal wenn mir jemand denn bescheuerten Satz "Hunde sind die besseren Menschen" an den Kopf wirft, ist das einer der Gründe warum ich schallend los lache.

Mittwoch, 23. August 2017

Let`s talk about – Sex


Désirée Nick schrieb in ihrem Buch, dass Sex ab 40 erst gut wird. Als ich das Buch las war ich Mitte 30 und verstand irgendwie nicht was sie meint.

Neulich lag ich völlig fertig auf der Spielwiese und so ein junger, unglaublich gut Gebauter strahlte mich an und meinte, er liebe Frauen über 40. Und ja, zuerst war ich schockiert. Implizierte diese Aussage doch, dass er mir mein Alter angesehen hatte. Verdammt. Und das bei all den teuren Cremes und so. Ich meine das ist ja nicht der Plan bei dem ganzen körperlichen Wartungsaufwand den ich betreibe. Nun ja, ich scheine auch etwas verwundert geguckt zu haben, jedenfalls soweit das in dem Zustand noch ging und der Jungsche strahlte weiter und philosophierte dabei, dass Frauen in seinem Alter sich nicht gehen lassen können, ständig bemüht sind, dass sie selbst beim vögeln gut aussehen und Problemzonen kaschiert werden. Ich hab nichts gesagt. Der Typ war nicht nur gut gebaut, sondern auch talentiert und ich entsprechend Hirntot.

Tage später überlegte ich mir auf einer Waldrunde mit Pest und Cholera wie mein Sex vor 40 war. Ich meine, solange man nichts anderes kennt, findet man ja den Status Quo gut. Jedenfalls war es bei mir so. Bis vor ein paar Monaten fand ich mein Sexualleben prima. Jetzt kommt es mir so vor als hätte ich mein Leben lang Dosenfutter bekommen und nun frisch Gekochtes. Allerdings finde ich keine logische Erklärung dafür, dass ich dann ja wohl bisher nur so mittelmäßige Liebhaber hatte und nun aus irgendwelchen Gründen nur noch in der sexuellen Bundesliga spiele. Vielleicht hängt das auch mit dem ganzen self improvement Gedöns zusammen.
Und das Hirn, ja das Hirn spielt eh Streiche. Anstatt sich nämlich zu freuen, dass es so ist, denke ich darüber nach was mir fehlen würde, wenn es nicht mehr so wäre. So`n Scheiß wird im Alter definitiv schlimmer. Also die Gedanken bzw. die Sorge sich an was Schönes zu gewöhnen und dann ist es wieder weg anstatt es zu genießen, dass es einfach mal da ist. Dazu kommen die Einschlafschwierigkeiten zwischen (fehlender) Altersvorsorge und Zahnzusatzversicherung. Alter Falter war mir das früher wuppe. Aber ich schweife ab.
Sex wird also besser ab 40. Auf alle Fälle ist man ab 40 etwas abgeklärter. Ich bilde mir weder ein noch habe ich den Anspruch, das die Kerle der letzten "Mitmach-Aktion" wegen meinem feinen Sinn für Humor oder meiner Eloquenz dabei waren, noch nicht mal wegen meinem hübschen Hintern. Sie werden gerade mal mitbekommen haben, dass ich überhaupt einen habe. Und es war mir Schnurz. Es ging trotzdem oder gerade deswegen um mich. Also mir, keine Ahnung um was es Kerlen dabei geht. Bei mir, im Hier und Jetzt zu sein, keine Gedanken zu haben nur noch zu spüren, Triebe ohne anerzogene Moral oder ähnliches zu haben. Mich zu spüren, eben rein körperlich. Ich kann mich auf verschiedene Arten spüren, aber das rein körperliche ist noch mal anders. Das konnte ich in dieser Form früher nicht. Also irgendwie schizo. In weiten Teilen meines Lebens geht das Hirn mehr quere Wege (Einschlafschwierigkeiten wegen Zahnzusatzversicherung und so) und auf der anderen Seite kann ich es besser ausschalten und mich mehr gehen lassen. Verrückt irgendwie. Erwähnte ich, dass ich mir just in diesem Moment überlege was sein wird wenn ich mal zu alt für Sex bin? Und weil sich das alles irgendwie so widersprüchlich anhört, ich wie oben beschrieben abgeklärter bin, treffe ich mich ansonsten nicht mehr mit Kerlen mit denen ich nichts in Klamotten unternehmen kann und will.
Alle meine Aktionen sind mit den gleichen Kerlen als gemeinsamer Nenner. Mit allen besteht eine eigene Art an Verbindung auf der nicht-romantischen-oder doch-sowas-in-der-Art Ebene. Alle 3 geben mir das Gefühl, dass ich für sie etwas Besonderes und nicht selbstverständlich bin. Jedes Mal wenn wir uns sehen, und wenn wir uns wieder trennen geht wieder jeder seine Wege.
Nichts von dem hätte ich mir vor 5 Jahren vorstellen können. Ich hätte die Widersprüchlichkeit nicht ertragen, nicht ertragen wollen. Und wer weiß, was die nächsten 5 Jahre bringen. Neuerdings kann ich mir vorstellen irgendwann mal aus Berlin weg zu ziehen, noch mal ins Ungewisse zu starten, alles zu verändern. Das Große und Ganze zu planen ist eh für den Arsch, mehr als die Zuzahlung beim Zahnarzt zu verringern kann man irgendwie eh nicht steuern.